Rote Fabrik Zürich - Fabriktheater (http://www.rotefabrik.ch/de/fabriktheater)
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Fabriktheater



WIR SIND DIE GEILSTEN


Als es um das neue Editorial ging, haben wir uns überlegt, was wir diesmal schreiben könnten. Nachdem wir ja die letzten Male vor allem an allerlei Dingen rumgemeckert haben, dachten wir, diesmal schreiben wir ausschliesslich Positives – zum Beispiel, warum das Fabriktheater eigentlich ein so geiler Ort ist.


Schon lange wird uns vorgeworfen, dass wir die Erfolge des Fabriktheaters zu wenig ausschlachten. «Ihr seid zwar super, nur weiss das niemand – ihr müsst mehr darüber reden, sonst bringt das ja nix.» Sogar unser Mehr-Brillanz-statt-Dilettanz-in-der-Kunst-Freund von der Sünnelipartei hält uns vor, wir täten zu wenig für unser Image: «Wenn die stalinistische Gesinnung so nicht mehr auf die Rote Fabrik zutrifft, dann müsst ihr das öffentlich bekannt geben, immer wieder, sonst werdet ihr diesen Ruf niemals los und werdet auch kein neues Publikum für euch begeistern können.»


Eigentlich stimmt das ja schon, also das mit der falschen Bescheidenheit. Und zugegeben: Unser Programmbüchlein, das bloss alle paar Monate erscheint, eignet sich auch kaum, um in unserer schnelllebigen Zeit in Sachen dynamischer Selbstvermarktung wirklich Schritt halten zu können. Zumal man in unserem Büchlein nichts liken kann – also, können tut man schon, nur merkt das dann ja niemand. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären, nämlich dass niemand merkt, wie sehr wir gemocht werden, weil wir so toll sind. Irgendwie total anachronistisch, so ein Büchlein und unsere Bescheidenheit auch.


Gerade, wenn man sich mal anschaut, wie sich die Selbstvermarktung der Theater und KünstlerInnen in den letzten Jahren gewandelt hat: Früher bibberte man schlechten Kritiken entgegen, heute schreibt man die Hymnen gleich selbst und stellt sie ins Netz. Um eine gute Selbstkritik schreiben zu können, muss man quasi eins werden mit der eigenen Selbstlob-PR-Strategie. Und hierfür wiederum muss man all jene, die sich zur Freundschaft bekennen, dazu bringen, sich aufgerufen zu fühlen, zu liken, was das Zeug hält, weil erst eine Masse von Likes ein an sich vielleicht unerträgliches Mass an Eitelkeit legitimiert und relativiert. Also wenn wir zum Beispiel schreiben: «Wow, wir sind so unglaublich erfolgreich», und 200 Leute liken das, dann ist das die Wahrheit. Auch für all jene, die ob so viel Eigenlob vielleicht etwas irritiert sind, denn die denken dann: «Das wird also schon seine Richtigkeit haben.» Massenhaftes Liken hilft aber nicht nur den Gelikten, sondern auch all den LikerInnen, die sich so in einer Mehrheitsgemeinschaft von Gleichgesinnten aufgehoben fühlen dürfen. So ziemlich das Gegenteil tritt ein, wenn ein solches Eigenlob von niemandem gelikt wird (oder nur von einem selbst) – es gibt wohl kaum ein brutaleres Verdikt. Insofern ist jedes Social-Media-Selbstlob auch eine indirekte Nötigung seiner Freunde, einen bloss nicht in seiner eigenen Eitelkeit hängen zu lassen. Wir können also wiefolgt zusammenfassen: Eitelkeit fördert den sozialen Zusammenhalt: Mitgegangen, mitgehangen.


Und Lektion zwei: Eine clevere Ego-Marketing-Strategie ist heute von grösserer Bedeutung als die tatsächliche Relevanz der Inhalte dieses Marketings.


Aber eigentlich wollten wir ja darüber schreiben, weshalb das Fabriktheater so ein geiler Ort ist. Es lässt sich letztlich auf einen ganz einfachen Nenner runterbrechen: Welches Theater hat, im Verhältnis zu seinem lächerlich mageren Budget und zu seinen konkurrenzlos tiefen MitarbeiterInnenlöhnen, einen grösseren Output an PreisträgerInnen als das Fabriktheater?


In den letzten Jahren hatten das Fabriktheater, bzw. unsere HauskünstlerInnen, zu verzeichnen: 1x Gewinn des Grand Prix Theater/Hans-Reinhart-Ring (Theater HORA), 1x Gewinn des Schweizer Theaterpreises (400asa), 1x Einladung ans Schweizer Theatertreffen (kraut_produktion), einen Sieg und einen zweiten Platz beim Premio-Förderpreis (Denise Wintsch & Martina Momo Kunz), zwei FörderpreisträgerInnen der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich (Samuel Schwarz, Golda Eppstein), diverse kulturelle Auszeichnungen der Stadt Zürich (mercimax, Duri Bischoff, Corsin Gaudenz, Theater HORA ...) etc., etc., hinzu kommen unzählige Einladungen zu Gastspielen und Festivals.


Oder um es in heutigen Worten zu sagen: «Ey Leute, wir sind stolz darauf, dass wir Euch so gross rausbringen durften. Herzlichen Dank! In Tat und Wahrheit sind WIR die Geilsten, aber wir haben es nicht nötig, damit hausieren zu gehen, weil IHR die Geilsten seid und das gleich selbst für uns erledigt!» Oder um einen unserer Freunde zu zitieren: «Keep the best and fuck the rest! More space! Urbi et orbi! Fuck you!» *like* Daumen hoch!


Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

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