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Fabriktheater



ICH WAR ZUERST!


Auf die Frage, weshalb er ausgerechnet Genf als Wohnsitz gewählt habe, brüllte der Schweizer Autor Ludwig Hohl einst auf seine unvergleichliche Art ins Mikrofon: «Ich bin hier, WEIL ICH EINFACH IRGENDWO SEIN MUSS!!!» Dagegen lässt sich nicht wirklich viel einwenden – zieht aber die Grundsatzfrage nach sich, warum überhaupt irgendjemand irgendwo ist und weshalb sich daraus irgendwelche Logik oder gar ein Anrecht ableiten lassen sollte.


Zum Beispiel erheben plötzlich SVPler wie Ulrich Schlüer und Christoph Blocher, übrigens hundskommune Secondos wie du und ich, oder eingeheiratete fremde Fötzel wie Yvette Estermann einen Besitzanspruch auf dieses Land. Gekommen, um zu bleiben! Sie sehen es als ihre Mission, den originären Eingeborenen die Schweiz zu erklären bzw. anderen das Recht auf Zuwanderung abzusprechen. Ist das der natürliche First-come-first-served-Verdrängungsmechanismus, oder bloss Ausdruck einer tief sitzenden menschlichen Urangst, dass einem weggenommen werden könnte, was man selbst unrechtmässig erworben hat?


Eine schwierige Diskussion, weil wenn man so will, dann war ja immer schon jemand vor einem anderen da, dem er theoretisch das Anrecht absprechen könnte, sich niederzulassen. Abgesehen von jenen Sippen, die wirklich schon seit Adam und Evas Zeiten hier leben und die sich konsequent nur innerhalb der Familie fortpflanzen, müsste sich wohl der Grossteil der Schweizer Bevölkerung die Frage gefallen lassen: «Und warum bist DU eigentlich hier?» Die Schweiz ist geprägt durch ein andauerndes Kommen und Gehen. Von den ersten Mikroben über das Aussterben der Dinos und Neandertaler bis hin zum Lädelisterben war unser Land quasi eine einzig fortwährende feindliche übernahme. Und das ist ja nicht nur negativ. Ein bisschen Blutauffrischung hat noch niemandem geschadet.


Bleibt die Frage nach dem Recht auf Deutungshoheit der zurzeit zufällig anwesenden Mehrheit. Denn Schweizer zu sein ist nichts Genetisches, Geografisches oder Religiöses: Schweizer ist man, weil man IRGENDWIE einer geworden ist. Und dieses IRGENDWIE ist basisdemokratisch legitimiert und hängt von der zufälligen politischen Konstellation des Landes ab.


Auch «Wahrheit» ist hierzulande eine basisdemokratische Angelegenheit. Quote erzeugt Wahrheit. An der Urne genauso wie im Farbfernsehen. Wenn etwa eine Partei verkündet, die meisten Flüchtlinge kämen nur deshalb zu uns, weil es in unseren Gefängnissen schöner sei als bei ihnen zu Hause, dann ist das – wenn diese Partei zuvor die Wahlen gewonnen hat – hier bei uns eben die Wahrheit. Punkt.


Zu viel Wissen um komplexe Zusammenhänge schadet. Deshalb sind wir verzweifelt darum bemüht, unsere nationale Identität auf Mythen, Legenden und Märchen aufzubauen. Und von daher ist Christoph Blocher eigentlich so etwas wie der «One and only, fucking hard working Trudi Gerster», der uns vor uns selbst retten will, indem er uns unermüdlich davon zu überzeugen versucht, dass wir lieber an Märchen glauben wollen statt an Fakten. «Globi rettet Flüchtlinge und macht sie zu besseren Menschen», wird es später vielleicht einmal in unseren Geschichtsbüchern heissen – und wenn Sie weiterhin diese Partei wählen, dann stimmt das irgendwann auch tatsächlich.


Liebe Theaterbesucher: Sie haben verdammt noch mal ein Recht darauf, angelogen zu werden, das haben Sie schliesslich an der Urne selbst so entschieden – oder mit dem Kauf eines Tickets bei uns im Fabriktheater, denn wir sind keinen Deut besser als die anderen Deppen. Merken Sie sich das!


In diesem Sinne: Herzlich willkommen im Fabriktheater!


Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

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Von Theater HORA: Retrospektive der Phase 3 Nora Tosconi

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  • Fax: 044 485 58 69
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