Rote Fabrik Zürich - Fabriktheater (http://www.rotefabrik.ch/de/fabriktheater)
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Fabriktheater



TUPPERWARE GO HOME!


Heute gehört es ja zum guten Ton, auf die Steuergelder verprassenden Kulturinstitutionen einzuprügeln. Auf jene also, die stören und nerven – und das auf Kosten der Allgemeinheit. Wie früher der Hofnarr, der, wenn er nicht aufpasste: Zack! Rübe ab! Und weil sich die Menschen kaum ändern, ändern sich auch die gesellschaftlichen Vorgänge nicht: Heute rächt sich das Establishment an den KünstlerInnen, von denen es infrage gestellt wird, indem das Establishment wiederum die KünstlerInnen und deren Institutionen infrage stellt – sprich: ihnen den Geldhahn zudreht.


Es stimmt schon: Nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die heute ja auf alle Lebenslagen angewendet, rauf- und runtergebetet werden, ist ein Hofnarr natürlich definitiv kein erfolgreiches, geschweige denn gewinnbringendes Geschäftsmodell. Seine Wirkung ist im besten Fall eine kathartische, deren zählbarer Nutzen sich dadurch ausweist, wie gekonnt er einem ans Bein pinkelt. Aber diesen Nutzen muss man auch erst einmal abstrahieren können! Es ist eben komplex, das mit den KünstlerInnen: Es braucht sie, WEIL es Menschen gibt, die nicht begreifen, DASS es sie braucht – und von solchen Menschen sind die KünstlerInnen wiederum finanziell abhängig. Heute vielleicht noch mehr als auch schon.


Guckt man mal ein bisschen zurück, dann war das eine der grossen Erkenntnisse unserer modernen Zivilisation: Sie begriff die Notwendigkeit institutionalisierter subversiver Faktoren, pflegte und kultivierte sie. Kluge Herrscher hielten sich zum Beispiel ganz bewusst ihre persönlichen Hofnarren, während die dummen Herrscher meist bald schon selbst beseitigt wurden, nachdem sie sich ihrer Kritiker entledigt hatten. Daran lässt sich ableiten, dass Kunst und freiheitliches Leben direkt zusammenhängen. Und im Umkehrschluss drängt sich die Frage auf, wie es künftig um unseren Freigeist bestellt sein wird, wenn heute die Freiheiten der KünstlerInnen und ihrer Institutionen durch Finanzkürzungen und engstirnige Leistungsvereinbarungen systematisch strukturell eingeschränkt werden.


Natürlich müssen sich KünstlerInnen die Frage gefallen lassen, ob sie sich in den letzten Jahren nicht zu sehr in einem vorauseilenden Gehorsam an das Kosten-Nutzen-Denken angepasst haben und dadurch ihre eigene Relevanz verspielten. Ob sie sich nicht selbst die Zähne gezogen haben und nun, natürlich nur noch schwer verständlich, mit der hohlen Hand um Akzeptanz betteln.


Andererseits ist halt nicht jeder Mensch mit dem gesunden Selbstbewusstsein eines Sepp Blatter ausgestattet, der sich, bereits im Untergang begriffen, noch einen monströsen Sarkophag bauen lässt – in dem sich, aus Nachhaltigkeitsgründen, neben dem Fussball problemlos auch Teile unseres Rechtsstaates begraben liessen. (Den Sarkophag sieht man übrigens auf dem Weg ins Fabriktheater, gleich gegenüber vom Bahnhof Enge. Wenn man täglich daran vorbeifährt, erweckt er den Eindruck, als glänze die Fassade immer noch stärker, je mehr die Scheisse zum Himmel stinkt. Aber darum geht es jetzt ja nicht.)


Wenn man Kultur mit Allgemeinverträglichkeit gleichsetzt, dann braucht es keine Kunst. Genauso wenig wie übrigens die Schweizer Bauern, die (das müssten doch auch unsere Sparweltmeister endlich mal einsehen) so wahnsinnig ineffizient und nostalgisch verbrämt ihre Felder beackern – ganz im Gegensatz zum smarten Hors-sol-Gemüse, das heute jeder Depp erfolgreich und vor allem viel rentabler in seiner Badewanne züchten kann.


Wenn man so will, dann ist hors-sol vielleicht sowieso DAS Sinnbild künftiger Kultur: eine logische Folge von Angebot und Nachfrage, im Spiegel einer auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Universalphilosophie. Und vielleicht muss man es sich auch einfach eingestehen, dass hors-sol ganz grundsätzlich viel mehr unserem Zeitgeist entspricht als irgendwelche Schweiss-und-Schwielen-Produkte: Man bekommt normgeformte aufgeblasene Fassadenhülsen zu fressen, die zur nachhaltigen Wachstumsförderung in einer synthetischen Anabolikabrühe eingelegt wurden. Optisch einheitlich, geschmacklich unkompliziert, ohne Ecken und Kanten. Kultur für alle halt. Oder um es anders zu sagen: Jede Zeit bekommt die Kultur vorgesetzt, die sie selbst hervorbringt – egal, ob es sich dabei um Gemüse oder Theater handelt. In diesem Sinne: Herzlich willkommen im Fabriktheater! Und denken Sie daran: Sie haben es selbst in der Hand, ob Sie sich Ihr Leben versauen oder versüssen.


Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

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