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Fabriktheater



WIE MAN AUS SCHEISSE GOLD MACHT


Manchmal fragt man sich, weshalb man überhaupt noch ein Editorial schreibt, es liest ja eh keiner. Und wenn doch, dann allenfalls aus Mitleid, oder aus einem grundsätzlichen Gefühl heraus, im Leben generell zu kurz zu kommen – da möchte man nicht auch noch das Editorial verpassen, denn das könnte ja bewirken, dass man noch kürzer kommt im Leben, weil einem wichtige Informationen entgehen. Freilich, wenn das Geschreibsel dann nicht den Erwartungen entspricht, dann fragt man sich natürlich, ob man mit der Zeit nicht etwas Besseres hätte anfangen können, und bereut, weshalb man sich das überhaupt erst angetan hat. So Sachen.


Wir kennen zum Beispiel Leute, die immer das Gefühl haben, im Restaurant das Falsche bestellt zu haben. Kaum steht das Essen auf dem Tisch, schauen sie den Tischnachbarn so lange penetrant eifersüchtig in die Teller, bis entweder allen der Appetit vergeht, oder aus Mitleid die Menus reihum ausgetauscht werden und am Ende alle unglücklich sind, weil sie nicht das essen, was sie bestellt, bzw. zu essen erwartet hatten.


Und so ist es auch im Theater. Mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer. Entweder man bedient sie und enttäuscht sie gerade deshalb, oder man enttäuscht sie absichtlich und zieht so den Ärger auf sich. Erwartungshaltungen sind sowieso eigentlich das Doofste überhaupt. Fast so schlimm, wie die damit verbundenen Utopien, mit denen wir uns vorgaukeln, dass alles so sein könnte, wie es nicht ist, bzw. wie es nicht nicht sein dürfte, weil es dann anders wäre, als man gerne möchte. Wenn man so will, dann ist das Leben ganzgrundsätzlich ungerecht. Vor allem in den letzten Jahren. Da musste sich die Menschheit nämlich von allerhand Utopien verabschieden. Etwa: dass direkte Demokratie die Masse Mensch verantwortungsbewusster macht, oder dass Geld sich selbst vermehrt, dass Märkte und kollektive Strukturen sich selbst regulieren, oder dass es sich bei Fussball um einen Sport handelt. Dass grössere Autos weniger Dreck produzieren, dass es in der Politik um die Sache geht und in der Religion um Spiritualität, dass das Internet gut ist oder böse, dass mehr oder weniger Staat zu weniger oder mehr Gerechtigkeit führt, dass es Roger Köppel um Journalismus geht und Roger Schawinski um seine Gesprächspartner und der Kulturindustrie um Kunst und und und – oder, wie man früher einmal glaubte, dass man aus Scheisse Gold machen kann.


Eigentlich schade, dass man all diese Dinge nicht mehr glauben kann, denn Utopien sind schliesslich jene Substanzen im Leben, die uns die Hoffnung geben, dass alles anders sein könnte, als es ist, quasi als ein sich selbst beweisender Umkehr-Selbstzweck – also zum Beispiel, wie im vorliegenden Fall, dass Menschen dieses Editorial lesen, obwohl es gar niemanden interessiert, einfach, damit dieses Editorial trotzdem Sinn macht.


Womit wir bei den Theaterschaffenden angekommen sind, die auch bloss Kinder ihrer Zeit sind und die Zuschauer, äh, deren Kinder. Auch wir Theaterschaffende sind simple Spekulanten und Hochstapler, Quacksalber und Pseudoalchemisten, die ihrer Klientel weismachen wollen, dass der Mist der Menschheit zu einem künstlerischen Mehrwert vergoldet werden kann.


Und auch wenn Sie das jetzt vielleicht nicht gerne lesen (falls Sie es überhaupt tun): Dank Ihnen ist das Theater, allen Unkenrufen zu Trotz, das einzig funktionierende Perpetuum mobile, das gegen den desillusionierenden Trend der Zeit zu wirken weiss: Sie zahlen uns, damit wir Sie belügen und betrügen und Sie im Glauben wiegen, dass Sie und Ihre Utopien einen Platz in der Welt haben müssen. Und im Umkehrschluss nähren Sie damit unsere eigene Utopie, dass wir als die letzten Medizinmänner und -frauen, finanziert durch schmutziges Geld eines auf miesen Geschäften aufgebauten Wohlstandes, die Menschen vor ihrer Realität bewahren; um Sie vor sich selbst zu schützen – und uns vor Ihnen. Insofern begegnen Sie uns auf Augenhöhe im Fabriktheater. Oder wie schon Helmut Kohl sagte: «You can say you to me» – aber das ist jetzt ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen.


Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

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