Eigentlich hatte die Stadt Zürich die ausgediente
Seidenweberei und spätere Fernmeldetechnik-Fabrik gekauft um sie
wegen der geplanten Verbreiterung der Seestrasse anfangs der 70er-Jahre
abreissen zu können. Durch eine im September 1973 von der SP 2 lancierte
Volksinitiative zur Erhaltung der Roten Fabrik als Kultur- und Begegnungszentrum
wurde dieses Ansinnen verhindert.
Nach der erfolgreichen Volksabstimmung von 1977 passierte aber jahrelang
nichts (der damalige Stadtpräsident Sigi Widmer beschied, dass "Rockmusik
keine Kultur" sei und darum in einem städtischen Kulturhaus
nichts zu suchen hat). So lautete eine der Forderungen
der Jugendbewegung im legendären Mai 1980: "Leben in die Tote
Fabrik!"
Ein knappes halbes Jahr später, nach unzähligen Demos und
der Eröffnung
des erkämpften AJZ (Autonomes Jugendzentrum Zürich), öffnete die
Rote Fabrik ihre Tore für sieben provisorische Betriebsjahre, bis im Dezember
1987 die Züricher Stimmberechtigten der definitiven Nutzung der Fabrik als
Kulturzentrum zustimmten.
Nach 15 Jahren Kulturbetrieb waren bereits über
eine Million Menschen in der Fabrik ein- und ausgegangen; die Rote Fabrik hatte
sich als kulturelle Institution etabliert, wie man in der Broschüre des
15 Jahre-Jubiläums resümiert: "Von der Urmama" der
Züricher
Alternativszene hat sich die Rote Fabrik in den 15 Jahren ihres Bestehens zum
Flagschiff der Schweizer Kulturzentren und zum prestigeträchtigen Vorzeigeobjekt
weltstädtisch
gemeinter Kulturpolitik entwickelt.
Die Rote Fabrik zählt zu den grössten
und vielseitigsten Kulturzentren Europas, mit einer Ausstrahlung, die weit über
Zürich hinausreicht. "Yello, Stefan Eicher, Young Gods, Nirvana oder
Red Hot Chili Peppers auf der Musikbühne; Mummenschanz, Christof Marthaler,
400 asa oder Heiner Goebbels im Fabriktheater; Rigoberta Menchú, Ernesto Cardenal,
Noam Chomsky oder Pierre Bourdieu auf dem Podium; Lesungen mit Niklaus Maienberg,
Nadine Gordimer, Günther Grass, Alice Schwarzer" - ein paar Namen aus
der Veranstaltungsgeschichte der Roten Fabrik. Einige waren schon bekannt, viele
aber, die heute nationale und internationale Grössen sind, fanden hier ihre
ersten Auftrittsmöglichkeiten.
Aussergewöhnliche Anlässe wurden immer gebührend gefeiert, wie
die Wiedereröffnung der Aktionshalle nach der Renovation 1995, wo in der "langen
Nacht der Züri-Bands" 14 Bands Songs aus der Gründerzeit coverten.
Jubiläen gaben Anlass zum Nachdenken, Schuss geben und aufblühen. Anlässlich
des 25. Jubiläums stiegen Betriebsgruppe, Vorstandsgruppe und viele Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter aus dem Ziegel selbst auf die Bühne und führten drei
Theaterstücke auf.
Highlights aufzählen und von erfolgreichen Festivals berichten, sich auf
Lorbeeren ausruhen gilt nicht: Die Geschichte geht weiter und das Programm auch.
Auszüge aus der Chronologie folgen demnächst, für alles weitere: Hereinspaziert!
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