SCHAUPLATZ: Standort, Event und Vermarktung
Kurzvorträge und Paneldiskussion
Standortmarketing, Tourismusförderung und erhoffter Imagegewinn sind wichtige Motivationen der Länder und Städte für die kostspielige Austragung grosser Sportevents. Nation Branding und städtische Profilierung werden immer wichtiger im globalen Standortwettbewerb wie auch in der Herstellung kollektiver Identitäten. So gehören Grossevents inzwischen zum klassischen Repertoire der unternehmerischen Stadtpolitik – oft auf Kosten einer sozial nachhaltigen Stadtentwicklung. Doch während sich die Städte mit den Fussballevents in Szene setzen, nutzen die privaten Veranstalter FIFA und UEFA die Städte gleichermassen als Werbefläche: Wie die Stadien, so sind auch die städtischen „Fanzonen“ beherrscht von den Vermarktungsinteressen und Inszenierungen der Exklusivsponsoren: Globale Marken besetzen strategische Orte in der Stadt.
Kurzvorträge:
- Marika Molter (Grafik-Designerin, Institut Design2Kontext/ZHdK, Zürich/Düsseldorf): "One World One Dream – Die visuelle Präsenz der Olympischen Spiele in Peking" (Ein Reisebericht)
- Barbara Schönig (Barbara Schönig, wissenschaftliche Mitarbeiterin Planungs- und Architektursoziologie, TU Berlin.): „Berlin Fan City 2006: Public Viewing Events und die Kommerzialisierung städtischen Raums“
- Wolfram Manzenreiter (Sozialanthropologe, Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien): "Von Träumen und Schäumen: Kosten und Nutzen von Sport-Mega Events"
Weitere Diskussionsgäste:
- Christian Schmid (Stadtgeograf, Dozentur Soziologie/Dept. Architektur, ETH Zürich)
- Luzius Theiler (Stadtrat, GPB-DA, und Mitglied des „Komitee gegen €'08-Diktat“, Bern)
Moderation: Richard Wolff (Stadtforscher, INURA, Zürich)
Mit der Etablierung so genannter „Public-Viewing“-Zonen und „Fan-Meilen“ an repräsentativen Orten der Stadt haben sich internationale Fussballturniere wie die Welt- und Europameisterschaften zu urbanen Massenevents entwickelt: Ganze Innenstädte werden in Erlebnis- und Konsumzonen transformiert. Die Austragungsstädte versuchen, die steigende Popularität von Fussballevents aktiv im Standortmarketing zu nutzen, während die privaten Veranstalter die Vermarktungsbedingungen vorgeben und zentrale Stadträume für die Werbung ihrer Exklusivsponsoren in Beschlag nehmen. Gleichzeitig dienen die Massenveranstaltungen der Umsetzung erweiterter Überwachungs- und Kontrolldispositive in Form von Grosseinsätzen der Polizei und Armee, umfangreichen „Anti-Hooligan“-Massnahmen, Absperrungen und Zugangskontrollen in städtischen Räumen und der Erprobung neuer Überwachungstechnologien. Die Veranstaltungsreihe thematisiert Fussball-Megaevents wie die WM 2006 in Deutschland und die bevorstehende EM 2008 in der Schweiz und Österreich als Symptome der gegenwärtigen neoliberalen Stadtentwicklung und diskutiert ihre Auswirkungen auf Stadt und öffentlichen Raum anhand der Schwerpunkte Vermarktung und Kontrolle.
Eine Veranstaltungsreihe der Roten Fabrik in Zusammenarbeit mit Anke Hagemann, Big Brother Awards Schweiz und dem stadt.labor.
siehe auch www.bigbrotherawards.ch/2008/april
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