Rote Fabrik Zürich - Konzept: Eventdetail(http://www.rotefabrik.ch/t/konzept)
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Konzept

Mi, 16. September 2009

Schweizer Schoggi - ein bittersüsser Alptraum

  • Ist Kakaoanbau moderne Sklaverei?
  • Wo: Clubraum
  • Wann: 20:00 Uhr
  • Wie viel: 0 CHF
Schweizer Schoggi - ein bittersüsser Alptraum

Im Rahmen des Festivals: NAHRUNG in der Roten Fabrik

Referentin: Andrea Hüsser, Erklärung von Bern (EvB)

Schweizer Schokolade gehört zu den besten der Welt. Nicht grundlos vertreten die Schweizerinnen und Schweizer die Spitzenklasse im Schoggi-Konsum: Stolze 12.3 Kilo verdrücken sie jedes Jahr.

Die Schweiz hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts zum Land der Schokolade aufgeschwungen. Und dies, obschon der dazu wichtigste Rohstoff, Kakao, kein Schweizerisches Erzeugnis ist. Der Durchbruch glückte dank der Erfindung der ersten Milchschokolade, gutem Marketing und Rudolph Lindts Conchiermaschine, die der Schokolade einen zarten Schmelz verleiht. Von dieser Schoggi-Seite zeigt sich die Schokoladeindustrie gerne. Die Schattenseite enthüllt eine andere Realität. In Westafrika, wo 60 Prozent des weltweit geernteten Kakaos herkommt, verhelfen rund zwei Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern der Schokoladeindustrie jährlich zu Umsätzen von fast zwei Millionen Dollar, selbst aber bleiben sie bettelarm. Preisgarantien gibt es keine. Die Menschen leben in einer direkten Abhängigkeit vom Weltmarktpreis, den die Schokoladeindustrie massgeblich bestimmt. Der einzige Faktor, den die Pflanzerinnen und Pflanzer beeinflussen können, sind die Kosten für Arbeitskraft. Deshalb schicken sie Kinder auf die Plantagen, weil sie keine angemessenen Löhne an Erwachsene bezahlen können.

Eine geschickte Marketingstrategie der Schweizer Schokoladefirmen wickelt indessen die Konsumierenden mit flotten CSR-Floskeln um den Finger und vertuscht so den Ursprung der Probleme. Die Missstände werden zum Teil zwar anerkannt, aber der Grundtenor lautet: Andere müssen die Verantwortung übernehmen. Die "Anderen" sind entweder die Grossen, die Regierungen, die Bauern, die Lieferanten, das komplexe Handelssystem oder die Konsumentinnen und Konsumenten selber, die keine Nachfrage nach fairer Schokolade generieren. Dass die Preispolitik geändert werden muss, traut sich niemand zuzugeben, weil das mit höheren Kosten verbunden wäre. In einem Input-Referat erläutert Andrea Hüsser das Geschäft mit dem Kakao, der Schoggi und der Schweizer Identität. In einem anschliessenden Workshop soll der Frage nachgegangen werden, wie die Verantwortungen verteilt sind und welchen Einfluss die Konsumierenden auf das wirtschaftliche Geschehen im Schoggi-Business haben.

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