Liebe Freund*innen der etwas anderen Perspektiven
Frühling ist! Das Seeufer macht sich auf, zur alljährlichen Auflaufzone ganz unterschiedlicher Auswüchse von Brunft und Bluescht aus dem Reiche humanoider Fauna-Entgleisungen zu werden. Es hechelt und hormönelet, dass es nur so ausdünstet und rotzt. Doch entgegen der ersten Annahme geht es hier nicht um Wassergefieder, das sich, im Streit um Revier und Nistplatz, gegenseitig Saures gibt, sondern um Joggingvögel, die, kaum lugt die Sonne erstmals keck ums Eck, ihre knapp bemessenen Büropausen dazu nutzen, um mit ihren in noch knapper bemessenen Laufdresse gepressten Stresserbodys aus den Löchern zu krabbeln und sich auf die Strecke entlang des Sees ans Ende ihres Longevity-Weges zu machen.
Es ist ein Moment von unverfälschter Diversität, die sich die Rote Fabrik ja auf die Fahne schreibt und die hier ganz kostenlos und in aller Ausführlichkeit genossen werden kann – zum Beispiel beim Essen im Restaurant Ziegel, oder beim Vorglühen vor dem nächsten Highlight im Fabriktheater (was beides zugegebenermassen nicht ganz gratis ist, dafür aber echt preiswert und megaviel fürs wenige Geld).
Klar, Diversität hat sich in den letzten Jahren in gewissen Kreisen zu einem Reizwort erster Güte gemausert und mag sein, dass sie bisweilen etwas gar inflationär Erwähnung findet. Aber hier, am Nadelöhr des Seeuferweges, in der Roten Fabrik, verdichtet sie sich jedoch ganz natürlich und erstrahlt ohne jede ideologische Verbrämung in ihrer vollsten überschäumenden Vielfalt und Eigenwüchsigkeit. Zum Beispiel in Form der unfassbaren Mannigfaltigkeit von Körperhaltungen und Lauftechniken, die an einem vorbeirauschen. Zum Beispiel als exaltiert hüpfige Rehli, die wie auf Ecstasy mit dem Gesicht gehn Himmel und mit den Fussspitzen in den Asphalt streben, oder als Michelin-frömmelnde Bürogümmel-Bulldozer, die mit einer Stampfschritttechnik den Weg umpflügen, dass man nur schon vom Zusehen Arthrose bekommt. Andere wiederum tragen eiernde Hüft-Bewegungen zum Auslauf, oder kurzatmige, leichtfüssige Nähmaschinenschrittchen, kombiniert mit verkrampft und starr angelegten Armen, als trügen sie zwei unsichtbaren Handtäschchen die trotz Laufschritt keinesfalls ausleeren dürfen. Oder es gibt Kombiwesen, die mit Hüfte Vorlage, Schultern Rücklage und hochrotem Schädel auf das nächste Ziel zusprinten, als gehe es darum, dieses noch vor dem letzten Atemzug zu erreichen. Und last but not least gibt’s noch den O-Bein-Mensch, der knieabwärts mit beidseitwärts gefährlich ausschlenkernden, von Roger Federer-Sneakers sanft umgarnten X-Senk-Spreiz-Füssen angetrieben wird, die nicht nur bei jedem Schritt den Weg aufs Neue suchen müssen, sondern auch die ganze Zeit Gefahr laufen, die ihnen entgegenkommenden anderen Herzinfarktkandidat*innen von der Strecke abzuräumen.
Wenn Sie sich jetzt fragen «Aber was hat das Alles mit dem Fabriktheater zu tun?», dann können wir Ihnen leider auch nicht wirklich helfen. Wir können Ihnen nur empfehlen, sich davon nicht abschrecken zu lassen. Denn die Gelegenheit, sich das echte Leben, sowohl beim Aperölspritz, als auch beim Besuch einer unserer verwirrend lebensnahen Kunstverwurstungen reinziehen zu können, bekommen Sie sonst und vor allem in dieser räumlichen Dichte nirgendswo so schnell.
(Und wenn Sie nun immer noch nicht wissen, ob Sie sich wirklich lohnt, dann gehen Sie doch einfach ungeniert mit der Zeit und lassen sich von KI überzeugen. Da heisst es: «Erlebe Theater im rauen Charme der Roten Fabrik – mutig, nahbar, unvergesslich. Hier treffen sich Bühnenkunst, Live-Musik und kreative Ideen in einem inspirierenden Industriedorf. Spüre die Energie, entdecke mutige Stücke und eine leidenschaftliche Community. Tickets sichern und Teil der Festival-Atmosphäre werden!»)
In diesem Sinne: Stay tuned! Wir sehen uns an der Theaterbar
Corinne O’Toole, Sabina Winkler, Michel Schröder, Lukas Piccolin und Janika Imwinkelried
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PS: Menschen mit einem N - (abgewiesen oder noch im Asylverfahren), F - (vorläufig aufgenommen) oder S (Schutzbedürftige) - Ausweis haben freien Eintritt zu allen Veranstaltungen. Reserviere deine Karten vorab per E-Mail oder komme direkt an der Abendkasse vorbei. Ganz herzlich willkommen im Fabriktheater!
PS: People with the permit N (abgewiesen oder noch im Asylverfahren), F (vorläufig aufgenommen) or S (Schutzbedürftige) have free entry to all events. You can book your tickets in advance by e-mail or get your ticket directly at box office before the show. A very warm welcome to the Fabriktheater!


















